Ein Porträt im Städtischen Museum Herford

Das Porträt im Städtischen Museum Herford zeigt die Fürstäbtissin Johanna Charlotte von Brandenburg-Schwedt um 1740. An ihrer Seite ist ein Schwarzer Junge zu sehen, wir kennen ihn als Leopold Carl Heinrich Markgraf. Leopold wurde im 18 Jahrhundert von Sklavenhändlern verschleppt und kam dann als Diener in den Dienst der Äbtissin.

Die deutsche Kolonialzeit beginnt erst 100 Jahre später, an deutschen Höfen waren schwarze Diener, die von Sklavenhändlern aus Afrika verschleppt wurden aber auch damals keine Seltenheit. Sie galten unter Adeligen der Zeit als Repräsentationsobjekte mit denen man sich schmücken und den Anschein des Besonderen geben wollte. Allein in OWL gibt es mehrere Beispiele solcher Schicksale. Die genaue Herkunft Leopolds konnte nicht ermittelt werden, als sicher gilt, dass er von Sklavenhändlern aus Afrika verschleppt wurde und dann 1734 mit sieben Jahren an den Herforder Hof der Äbtissin kam. Ob er gekauft wurde oder ein Geschenk an sie war, ist unbekannt. Bis zu seinem Tod 1750 hat Leopold für die Äbtissin und ihre familie am Hof gearbeitet. Den echten Namen Leopolds kennen wir nicht, der heute bekannte Name wurde ihm mit der christlichen Taufe gegeben. Nach dem Tod der Äbtissin diente Leopold ihrem Sohn Heinrich in Schwedt. Bekannt ist ebenfalls, das Leopold einen Sohn hatte aus einem Liebesverhältnis mit einer anderen Bediensteten. Eine Trauung wurde den beiden verwehrt. Das Schicksal von Leopold steht stellvertretend für viele Schwarze Menschen, die bereits im 18 Jahrhundert Opfer des Sklavenhandels wurden und gegen Ihren Willen nach Deutschland verschleppt wurden. Ihr Schicksal ist bis heute oft unbekannt und viele Hintergründe bleiben schleierhaft. Jona und Fabian haben Sonja Langkapfel vom Städtischen Museum Herford zu dem Schicksal von Leopold befragt. Mohammed und Jan stellen in ihrem Podcast die bewegte Geschichte Leopolds vor.

ANMERKUNG ZUM SPRACHGEBRAUCH:
In dem Interview wird das Wort "Mohr" verwendet. Das M-Wort ist eine seit dem 17. Jahundert bekannte Fremdbezeichung für Schwarze Menschen. Mit ihm ist das Bild verbunden von Personen, die weiße Menschen bedienen. Mit dem Wort wird eine rassistische koloniale Erinnerungskultur am Leben gehalten, mit der Fantasie des Schwarzen Dieners als Eigentum. Daher sollte das M-Wort nicht ausgeschrieben werden und seine Verwendung im Sprachgebrauch ebenfalls vermieden werden. Hier wird das Wort zu Bildungs- und Aufklärungszwecken verwendet.

Gemeinsam Geschichte Entdecken:
Kolonialismus in OWL – Ein Bildungsprojekt für Schulen

Helfen Sie uns, die verborgenen Kapitel unserer Geschichte zu enthüllen und das Bewusstsein für die koloniale Vergangenheit Ostwestfalen-Lippes zu schärfen. Mit unserem Projekt möchten wir Schulen die Möglichkeit bieten, tiefere Einblicke in die Nachwirkungen des Kolonialismus zu gewinnen und diese Erkenntnisse in den Unterricht zu integrieren. Nutzen Sie diese Chance, um Ihre Schüler für ein wichtiges und aktuelles Thema zu sensibilisieren.

    Ich willige in die Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten zum Zwecke der Kontaktaufnahme gemäß Artikel 6 Absatz 1 lit. a der DSGVO ein. Alle wichtigen Informationen über die Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklaerung.

    Hiermit stimme ich den Datenschutzbestimmungen zu.*

    * Pflichtfeld