Karl-Peters-Straße
Bielefeld
Route zum Standort
Karl Peters war ein Täter und Profiteur der brutalen deutschen Kolonialpolitik. Durch Ausbeutung, Unterdrückung, Betrug und Ermordung schuf er die Grundlage für die Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ mit und bereicherte sich persönlich im Kolonialsystem. Ihm wurde in den 1960er Jahren eine Straße im Bielefelder Osten gewidmet. Auf öffentlichen Protest hin wurde die Straße zwar umgewidmet, jedoch bis heute nicht umbenannt.
Straßennamen werden oftmals als unscheinbar wahrgenommen, obwohl sie uns täglich begegnen und unersetzlich für unsere Orientierung sind. Orientierung schenken sie dabei nicht nur in räumlicher Form, beim Zurechtfinden in einer Stadt, sondern auch als identifikatorischer Bezugspunkt, bei der Frage was selbstverständlich und normal ist. Die häufigsten Straßennamen wirken unverfänglich, sind oftmals Natur- oder Funktionsnamen, wie Schul- oder Lindenstraße. Immer wieder jedoch auch Personennamen, egal ob Schriftsteller*innen, Künstler*innen, Politiker*innen, Komponist*innen oder Erfinder*innen – meist Männer*namen –, die Beachtenswertes geleistet haben. Häufig wird dieses Beachtenswerte jedoch vorausgesetzt und das tatsächliche Tun der Bedachten bleibt unreflektiert. Dabei gibt es zahlreiche Straßennamen, die an Personen Erinnern, deren Gedenken mehr als fraglich ist. Es ist darum angebracht, kritische Fragen zu stellen. Karl Peters (auch Carl Peters) ist eine dieser Personen, dem eine Straße im Bielefeld Osten gewidmet ist. Karl Peters (*1856-1918) nahm eine zentrale Rolle bei den deutschen Kolonialverbrechen ein, gleichwohl geistern um seinen Namen weiterhin die euphemistischen Ausdrücke eines „(Afrika-)Forschers“ oder auch „Entdeckers“ und „Abenteurers“, welche seine brutalen Taten verharmlosen. Peters hat sich etwa mit Einsatz von Gewalt und Betrug große Gebiete in Ostafrika angeeignet, weshalb ihn die dortige Bevölkerung als "Mkono wa damu" (den Mann mit den blutigen Händen) bezeichnete. Finanziert wurde dieses ausbeuterische und raubende Vorgehen von deutschen Unternehmen. Aus diesen geraubten Gebieten ging die deutsche Kolonie „Deutsch-Ostafrika“ (heute Tansania, Burundi, Ruanda und Teile Mosambiks) hervor, in welcher die lokale Bevölkerung ausgebeutet, militärisch unterdrückt und brutal verfolgt wurde. So starben etwa im Zuge des Maji-Maji-Widerstandes zwischen 1905 und 1907 bis zu 300 000 Menschen durch die deutsche Kolonialgewalt.
Karl Peters fiel eine wesentliche Funktion im kolonialen Gewaltsystem zu, dennoch wurde ihm 1963 in Bielefeld-Stieghorst eine Straße gewidmet. Diese Erinnerung an einen rassistischen Kolonialverbrecher rief auch in Bielefeld Widerspruch hervor, woraus sich ab 2001 ein zivilgesellschaftlich vorangetragener öffentlichkeitswirksamer Protest entwickelte. Dieser Prozess führte jedoch nicht zu einer Umbenennung, vielmehr wurde in der Umwidmung an einen anderen Karl Peters die notwendige Auseinandersetzung mit (post-)kolonialen Kontinuitäten umgangen. Nähere Infos findet ihr bei dem Bündnis, welches sich für die Umbenennung einsetzt: https://decolonize-bielefeld.de/
Gemeinsam Geschichte Entdecken:
Kolonialismus in OWL – Ein Bildungsprojekt für Schulen
Helfen Sie uns, die verborgenen Kapitel unserer Geschichte zu enthüllen und das Bewusstsein für die koloniale Vergangenheit Ostwestfalen-Lippes zu schärfen. Mit unserem Projekt möchten wir Schulen die Möglichkeit bieten, tiefere Einblicke in die Nachwirkungen des Kolonialismus zu gewinnen und diese Erkenntnisse in den Unterricht zu integrieren. Nutzen Sie diese Chance, um Ihre Schüler für ein wichtiges und aktuelles Thema zu sensibilisieren.