Kesselbrink und Völkerschauen

Sogenannte "Völkerschauen" gehörten zwischen 1875 und 1920 zum Alltag im damaligen deutschen Kaiserreich. Selbst in kleinen Ortschaften und Gemeinden wurden sie regelmäßig veranstaltet. Eine Tatsache, die vielerorts auch heute noch weitgehend unbekannt und unaufgearbeitet ist. Auch in Bielefeld hat es auf dem Gelände des Kesselbrink mehrere solcher "Völkerschauen" gegeben.

Voyeurismus und Spektakel begleiteten diese Veranstaltungen, deren Stereotype und rassistische Vorurteile sich bis heute tief ins gesellschaftliche Gedächtnis unserer Gesellschaft eingegraben haben und nachwirken. Als fremd und "exotisch" angesehene Menschen anderer Ethnien wurden in diesen "Völkerschauen" ausgestellt. Sie mussten ihre vermeintlichen Bräuche, Rituale und Tänze öffentlich und oft leicht bekleidet zeigen. Ein verzerrtes und selektive Bild anderer Kulturen. Für die Darstellenden eine demütigene und herabwürdigende Tätigkeit. Für die Besuchenden ging es um ein Gefühl der eigenen Überlegenheit, ums Gaffen und Bestaunen. Reich wurden mit diesen Vorstellungen nur die Veranstalter. Die Darsteller lebten oft in ärmlichen und ausbeuterischen Verhältnissen. Viele Besuchende kamen über diese Präsentationen zum ersten Mal überhaupt in Kontakt mit Schwarzen Menschen. Einige der Veranstalter konnten so auch zu einem beträchtlichen Vermögen kommen. Der bekannteste ist sicher Gustav Hagenbeck, der mit seinen Schauen auch Bielefeld auf dem Kesselbrink gastierte, etwa am 12.10.1910 mit einer sogenannten "Indienschau" an der Bielefelder*innen für etwa 150 Reichsmark teilnehmen konnten. Die Jugendlichen der 9 Jahrgänge der Gesamtschule Stieghorst, des Helmholtz Gymnasiums und der Laborschule Bielefeld haben sich mit der Geschichte der "Völkerschauen" am Kesselbrink auseinandergestzt und Überlegungen dazu angestellt, was heute an diesem Platz diesbezüglich geschehen sollte.

Gemeinsam Geschichte Entdecken:
Kolonialismus in OWL – Ein Bildungsprojekt für Schulen

Helfen Sie uns, die verborgenen Kapitel unserer Geschichte zu enthüllen und das Bewusstsein für die koloniale Vergangenheit Ostwestfalen-Lippes zu schärfen. Mit unserem Projekt möchten wir Schulen die Möglichkeit bieten, tiefere Einblicke in die Nachwirkungen des Kolonialismus zu gewinnen und diese Erkenntnisse in den Unterricht zu integrieren. Nutzen Sie diese Chance, um Ihre Schüler für ein wichtiges und aktuelles Thema zu sensibilisieren.

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