Marktkirche und die katholische Missionierung
Paderborn
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Die heutige Marktkirche inmitten Paderborns ist die ehemalige Jesuitenkirche Sankt Franz Xaver. Franz Xaver (eingedeutscher Name) war neben Ignatius von Loyola einer der Mitbegründer des Jesuitenordens und gilt als einer der Wegbereiter der christlichen Missionstätigkeit in Ostasien. Xaver tat dies im 16. Jahrhundert im Auftrag der katholischen Kirche sowie der frühen Kolonialmacht Portugal, insbesondere in den portugiesischen Kolonien in Ostindien. Xaver, welcher selbst missionarisch in Indien, Malaysia und Japan tätig war, sowie die Mission in China vorbereitete, prägt damit einen wichtigen Grundsatz für den Jesuitenorden, die Missionstätigkeit.
Daran knüpfte auch die Paderborner Jesuitengemeinde an, was sich nicht zuletzt in der Namensgebung der Kirche ausdrückte. Zusammen mit dem Bau der Kirche Ende des 17. Jahrhunderts wurde auf Bestreben des damaligen Paderborner Bischofs auch eine Missionsstiftung eingerichtet, welche sich an der Verbreitung des christlichen Glaubens in verschiedenen Gebieten beteiligen sollte, mehrheitlich in Europa, aber auch in China und Indien. Wie umfangreich diese Missionstätigkeit ausgeprägt war, ist unbekannt, da die Quellenlage dünn und auch wenig beforscht ist. Das Beispiel zeigt jedoch, dass koloniale Verstrickungen nicht erst mit dem staatlichen Kolonialbemühungen zum Ende des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum begannen, sondern bereits deutlich früher begannen.
Die christliche Mission nahm dabei eine wesentliche Funktion ein, um eine christlich-europäisches Überlegenheitsgefühl zu etablieren, sowie andere Lebensweisen, Kulturräume und Religionen unterzuordnen und abzuwerten. Im Zuge der Missionstätigkeit kam es zwar durchaus auch zu einem Austausch zwischen den Kulturräumen und Lebensweisen, dieser nahmen jedoch spätestens mit militärisch unterstützten Kolonialbestrebungen durch europäische Großmächte eine asymmetrische Form an. Die christliche Missionstätigkeit fungierte dabei oftmals als Türöffner, indem erworbenes Vertrauen und geknüpfte Kontakte, sowie angeeignetes Wissen und erlernte Sprachkenntnisse der gewaltsamen Unterdrückung und Ausbeutung der Kolonialmächte oftmals den Weg bereitete. Der kulturell-religiöse Zugang durch Mission oder „Wissenschaft“ ging der militärischen Eroberung und direkten Kolonialgewalt somit häufig voraus. Es ist darum notwendig, den Erzählungen von Wissensdrang, Abenteuerlust und Nächstenliebe, ein Geschichtsbild entgegenzuhalten, welches die Gewaltgeschichte der Missionarstätigkeit in den Mittelpunkt rückt.
Gemeinsam Geschichte Entdecken:
Kolonialismus in OWL – Ein Bildungsprojekt für Schulen
Helfen Sie uns, die verborgenen Kapitel unserer Geschichte zu enthüllen und das Bewusstsein für die koloniale Vergangenheit Ostwestfalen-Lippes zu schärfen. Mit unserem Projekt möchten wir Schulen die Möglichkeit bieten, tiefere Einblicke in die Nachwirkungen des Kolonialismus zu gewinnen und diese Erkenntnisse in den Unterricht zu integrieren. Nutzen Sie diese Chance, um Ihre Schüler für ein wichtiges und aktuelles Thema zu sensibilisieren.