Upmann-Stift und Kolonialwaren

Einen der sichtbarsten Bereiche des Kolonialismus bildeten die so genannten Kolonialwaren. Hauptsächlich durch deren Verkauf in Kolonialwarenläden, aber etwa auch im Reichtum derjenigen, welche durch den Kolonialhandel viel Geld verdienten. Auch in Bielefeld finden sich Spuren von Personen, die durch die koloniale Ausbeutung der Menschen und Rohstoffe im globalen Süden reich wurden. So etwa die Familie Upmann, welche im Handel mit Tabak und dem Verkauf von Zigarren aktiv war.

Kolonialwaren, also Produkte, welche ein (sub-)tropisches Klima benötigen und mehrheitlich im globalen Süden angebaut und produziert werden, gelangten im 18. und insbesondere 19. Jahrhundert durch das auf Ausbeutung beruhende koloniale Handelssystem vermehrt auch in die europäischen und deutschen Städte. Dies wurde etwa anhand einer Vielzahl so genannter Kolonialwarenläden sichtbar, auch in Bielefeld. Einige Hinweisschilder in der Bielefelder „Welle“ verweisen auf ehemalige Standorte mehrerer derartiger Läden. Allerdings war es nicht nur der Verkauf dieser Waren, welcher koloniale Verhältnisse im Bielefelder Alltag sichtbar machte, auch der daraus resultierende Reichtum macht koloniale Verbindungen und Verhältnisse deutlich. Etwa durch prächtige Wohnhäuser oder gemeinnützige Stiftungen von Personen, die derartige Produkte handelten, weiterverarbeiteten und verkauften. So finden sich rund um den alten Markt in Bielefeld etwa die ehemaligen Wohnhäuser der Familien Crüwell und Upmann, beide aktiv im Tabakhandel. Insbesondere die Familie Upmann ist eng mit dem Handel von kubanischem Tabak und dem Verkauf hochwertiger Zigarren verbunden. So orderte etwa der ehemalige US-Präsident John F. Kennedy kubanische Zigarren der Marke »H. Upmann« noch kurz bevor er im Jahr 1962 ein Handelsembargo gegen Kuba verhängte. Bis heute lassen sich Zigarren der Marke H. Upmann kaufen, welche an die Firmengründer, die Brüder Hermann Dietrich und August Upmann, erinnern, die in Bielefeld geboren wurden. In Bielefeld finden sich aber noch weitere Spuren, etwa das Upmann-Stift auf dem Johannisberg. Das Stift wurde im Jahr 1876 von der Familie Upmann als Wohnheim für ältere alleinstehende Damen* gestiftet und prägte das Bild der Familie Upmann als Wohltäter der Stadt. Woraus dieser Reichtum entstand, nämlich aus der Ausnutzung des menschenfeindlichen und rassistischen Kolonialsystems, blieb dabei unerwähnt. Die ursprüngliche Einrichtung des Stifts gibt es zwar nicht mehr, aber das Gebäude steht bis heute und zwar in der Upmannstraße am Bielefelder Johannisberg. Spuren finden sich also bis heute, doch die Frage, wie wir mit diesen Spuren und der kolonialen Vergangenheit in unserem Stadtbild und Alltag umgehen wollen, wird nicht gestellt? Dies wollte die Gruppe um Suzan, Louisa, Erva, und K. nicht so stehen lassen und hat sich darum in ihrem Video mit diesen kolonialen Spuren auseinandergesetzt.

Gemeinsam Geschichte Entdecken:
Kolonialismus in OWL – Ein Bildungsprojekt für Schulen

Helfen Sie uns, die verborgenen Kapitel unserer Geschichte zu enthüllen und das Bewusstsein für die koloniale Vergangenheit Ostwestfalen-Lippes zu schärfen. Mit unserem Projekt möchten wir Schulen die Möglichkeit bieten, tiefere Einblicke in die Nachwirkungen des Kolonialismus zu gewinnen und diese Erkenntnisse in den Unterricht zu integrieren. Nutzen Sie diese Chance, um Ihre Schüler für ein wichtiges und aktuelles Thema zu sensibilisieren.

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