Urieta Kazahendike – ein biografischer Erinnerungsort

Urieta (Johanna) Kazahendike wird 1860 aus Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, nach Gütersloh gebracht. Sie arbeitet für den Missionar Carl Hugo Hahn und ist zentral Verantwortlich für seine Veröffentlichungen. Sie übersetzt als erste die Bibel in ihre Muttersprache und kehrt 1861 zurück nach Namibia.

Urieta Kazahendike muss in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, bereits mit 11 Jahren als Hausangestellte und Übersetzerin in Familie des Missionars Carl Hugo Hahn arbeiten. Sie wird 1858 als erste Herero christlich getauft auf den Namen Johanna Maria. Im Alter von 23 Jahren wird sie von der Familie Hahn 1860 mit nach Gütersloh genommen und als "Schwarze Johanna" präsentiert und als lebendes Objekt auch bei Missionsfesten herumgezeigt. Von einer Freiwilligen Beschäftigung und Ausreise kann im gegebenen Kolonialkontext nicht ausgegangen werden. Sie gilt als erste schwarze Person vom afrikanischen Kontinent in Gütersloh, was eine unangenehme Aufmerksamkeit für sie bedeutete und wiederholt Menschenansammlungen nach sich zog. Urieta Kazahendike wird wiederholt bedrängt, belästigt und rassistisch beleidigt. Aus Berichten geht hervor, dass sie sich dagegen selbstbewusst zu wehren verstand. Sie nimmt eine Schlüsselstellung in der Bearbeitung und Korrekturlesen der von Carl Hugo Hahn veröffentlichten Werke über die Sprache der Herero ein. Dafür erhielt sie nie eine Erwähnung oder Anerkennung. Carl Hugo Hahn hingegen erhielt die Ehrendoktorwürde der Universität Leipzig für diese Arbeiten. Nach Abschluss der Arbeiten schickt Carl Hugo Hahn sie 1861 schlicht zurück die damalige Kolonie ins heutige Namibia. Sie heiratet dort den deutschen Samual Gertze und nimmt den Namen Johanna Gertze an. Sie bekommt neun Kinder und arbeitet als Kindergärtnerin und Hebamme. Urieta Kazahendike ist hochgebildet und beherrschte viele Sprachen, wie Otjiherero, Deutsch, Afrikaans, die Sprache der Nama, English und Khoekhoegowab. Sie übersetzt die Bibel in ihre Muttersprache und wird in Namibia als Bewahrerin des Otjiherero bis heute geschätzt. Eine Würdigung ihrer Leistungen konnte erst stattfinden, nachdem Namibia 1989 seine Unabhängigkeit errang. Sie verstibt 1936 mit 99 Jahren.

Gemeinsam Geschichte Entdecken:
Kolonialismus in OWL – Ein Bildungsprojekt für Schulen

Helfen Sie uns, die verborgenen Kapitel unserer Geschichte zu enthüllen und das Bewusstsein für die koloniale Vergangenheit Ostwestfalen-Lippes zu schärfen. Mit unserem Projekt möchten wir Schulen die Möglichkeit bieten, tiefere Einblicke in die Nachwirkungen des Kolonialismus zu gewinnen und diese Erkenntnisse in den Unterricht zu integrieren. Nutzen Sie diese Chance, um Ihre Schüler für ein wichtiges und aktuelles Thema zu sensibilisieren.

    Ich willige in die Verarbeitung meiner personenbezogenen Daten zum Zwecke der Kontaktaufnahme gemäß Artikel 6 Absatz 1 lit. a der DSGVO ein. Alle wichtigen Informationen über die Verarbeitung Ihrer personenbezogenen Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklaerung.

    Hiermit stimme ich den Datenschutzbestimmungen zu.*

    * Pflichtfeld